Langzeitarbeitslose weiter chancenlos
Das Jahr 2011 war nur auf den ersten Blick ein gutes Jahr für den Arbeitsmarkt. Die am Dienstag vorgelegten Dezember-Zahlen machen aber deutlich, dass der rückläufige Trend die Situation für Menschen mit Behinderung, für Langzeitarbeitslose, geringfügig Beschäftigte und Migranten nicht gilt.
Aktuell sind in Hamburg 67.410 Menschen arbeitslos gemeldet. Davon fallen 50.166 unter Leistungen nach dem SGB II, sind also sogenannte Langzeitarbeitslose. Als Antwort darauf möchte die Bundesagentur in Hamburg bei älteren Arbeitslosen verstärkt auf das Instrument „Praktikum“ setzen – auch und gerade bei Langzeitarbeitslosen, Menschen mit Behinderung und mit Migrationshintergrund.
Filiz Demirel, Sprecherin für Arbeitsmarkt und Migration der GAL-Fraktion, erklärt dazu:
„Einerseits möchte die Agentur auf Praktika setzen, andererseits gibt es eine drastische Streichung von Stellen, welche Langzeitarbeitslose stabilisieren und für den ersten Arbeitsmarkt vorbereiten. Das passt nicht zusammen.
Erst auf öffentlichen Druck hin sollen jetzt weitere 500 Ein-Euro-Stellen eingerichtet werden. Unverantwortlich gegenüber den Trägern und Langzeitarbeitslosen ist es aber, diese Stellen nur schrittweise im Laufe des Jahres 2012 zu realisieren. So hat niemand Planungssicherheit, das ist ein ruppiger Umgang mit den Betroffenen. Wir fordern den Senat auf, endlich zu handeln und einen sozialen Arbeitsmarkt für diese Zielgruppe einzurichten.“
Ein weiterer Trend des Jahres 2011 ist die steigende Zahl bei den offenen Stellen: Die Arbeitskräftenachfrage hat mit 15.738 offenen sozialversicherungspflichtigen Stellen einen Höchststand erreicht. Das sind 13,4 Prozent mehr als im Dezember 2010.
Filiz Demirel dazu:
„Allerorten wird über den Fachkräftemangel geklagt, gleichzeitig halten sich viele Menschen mit prekären Arbeitsverhältnissen über Wasser. Das ist ein höchst unbefriedigender Zustand. Der Hamburger Senat muss hierzu auf Bundesebene tätig werden. Er muss eine Offensive für einen flächendeckenden Mindestlohn starten und eine Initiative gegen die Ausweitung der so genannten Mini-Jobs und der Leiharbeit. Beide haben ebenfalls ein Rekordniveau erreicht und verschärfen die soziale Ungleichheit.“
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