Langzeitarbeitslos heißt chancenlos
Im Januar 2012 verzeichnet die Bundesagentur für Arbeit für Hamburg einen Anstieg der Arbeitslosigkeit um 8,1 Prozent, das sind 5.468 arbeitslose Menschen mehr als im Dezember. Die heute vorgelegten Zahlen belegen, dass die Situation für Menschen mit Behinderung, für Langzeitarbeitslose sowie für Ältere und Migranten angespannt bleibt.
Aktuell sind in Hamburg 72.850 Menschen arbeitslos gemeldet. Davon fallen 52.977 unter Leistungen nach dem Zweiten Sozialgesetzbuch, sind also so genannte Langzeitarbeitslose. Die Agentur für Arbeit selbst betont, dass die Integration von Älteren ab 50 Jahren, Langzeitarbeitslosen, Ungelernten und Menschen mit Behinderung schwierig bleibt.
Filiz Demirel, Sprecherin für Arbeitsmarkt und Migration der GAL-Fraktion, erklärt dazu:
„Die Statistik erfasst nicht alle Betroffenen: Bundesweit sind 11,1 Prozent der Arbeitslosen wegen Arbeitsunfähigkeit nicht mehr als arbeitslos registriert, auch die 23 Prozent, die arbeitsmarktpolitischen Maßnahmen integriert sind, tauchen in den Statistiken nicht auf. Arbeitslose über 58 Jahren werden grundsätzlich statistisch nicht erfasst. Die Lage ist also dramatischer, als in den Statistiken nachzulesen ist. Den Betroffenen hilft es keineswegs, bessere Statistiken vorzulegen. Der Arbeitsmarkt entwickelt sich weiter in Richtung Spaltung: Der eine Teil bietet geregelte und sozial abgesicherte Arbeitsverhältnisse für Qualifizierte. Für den anderen Teil gibt es leider nur unsichere und schlecht bezahlte Jobs – oder noch nicht einmal das.“
Ein weiterer Trend ist der rapide Anstieg von Mini-Jobs: Der Anteil der Frauen beträgt hier 66 Prozent. Insgesamt gibt es immer mehr befristete Stellen, Leiharbeit und geringfügige Beschäftigung. Die Folgen sind Abhängigkeit von Sozialleistungen, eine unsichere Altersversorgung und eine höhere Erkrankungsrate auch in der Beschäftigung. Der Senat muss eine Offensive für einen flächendeckenden Mindestlohn starten und eine Initiative gegen die Ausweitung von Mini-Jobs und Leiharbeit. Auch Mini-Jobs und Leiharbeit bewegen sich auf Rekordniveau und verschärfen die soziale Ungleichheit.
Wir brauchen dringend Maßnahmen für Langzeitarbeitslose und einen echten sozialen Arbeitsmarkt, damit die Menschen einen Ausweg aus ihrer Arbeitslosigkeit finden und von Ihrer Beschäftigung leben können – ohne ergänzende Sozialleistungen.
Auf der anderen Seite haben wir 15.115 offene sozialversicherungspflichtige Stellen. Auch hier brauchen wir dringend Konzepte, die dem Fachkräftemangel entgegen wirken. Aber auch hier will die SPD erst Ende 2012 ein Konzept vorlegen. Gut, dass der schwarz-grüne Senat die Zentrale Anlaufstelle zur Anerkennung von ausländischen Abschlüsse (ZAA) und das Hamburg Welcome Center eingerichtet hat. Sonst hätte der SPD-Senat nichts Positives, worauf er sich beziehen könnte.“
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