Getrübte Linse auf dem rechten Auge
06.12.2011Die Befürchtung gab es in der politischen Bewegung gegen Rechtsextremismus immer, die bittere Erkenntnis, dass es in der Bundesrepublik eine lange Mordserie durch Nazis gibt, ist trotzdem wie ein Schock. Mehr als ein Jahrzehnt mordeten die Mitglieder der rechtsextremistischen Terrorzelle NSU unerkannt. Fast täglich kommen neue Einzelheiten und weitere Opfer ans Licht der Öffentlichkeit. Ermittlungspannen werden aufgedeckt, die Rolle der Sicherheitsdienste ist undurchsichtig.
Die Terrorzelle war den Sicherheitsbehörden nicht unbekannt, sie wurde vom Thüringer Verfassungsschutz beobachtet und tauchte trotzdem ab, ob sie dabei wirklich aus dem Blickfeld der Sicherheitsbehörden verschwand, ist ungewiss. Jedenfalls konnten sie sich offenbar auf ein verzweigtes Netzwerk brauner Unterstützung verlassen, das bis in die NPD hinein reichte und wiederum viele Berührungspunkte mit dem Verfassungsschutz aufweist. Selbstverständlich häufen sich durch diese Vorgänge die guten Gründe die NPD zu verbieten, wenn dieses Verbotsverfahren denn sicher durchzuführen ist und nicht erneut daran scheitert, dass der Verfassungsschutz über V-Leute zu stark selber in die Strukturen der NPD involviert ist. Auch diese Frage weist also zurück auf die Rolle des Verfassungsschutzes und anderer Geheimdienste.
Die im Raum stehenden Fragen und Vorwürfe über den wirklichen Kenntnisstand der Dienste, über verpatzte oder verhinderte Festnahmen sind ungeheuerlich. Ihre Aufklärung ist für das demokratische Gemeinwesen von existenzieller Bedeutung. Die brutale Mordserie des NSU wirft ein Schlaglicht auf den unterschätzten rechten Extremismus, der Mord als Mittel zur Propaganda einsetzt. Die Umstände und Bedingungen, die deren nahezu ungestörtes Treiben und diese Taten ermöglicht haben, müssen akribisch aufgeklärt werden. Ich habe meine Zweifel, ob das allein durch interne Kontrolle möglich ist.
Aufklärung und Transparenz sind aber auch eine Bewährungsprobe für das Funktionieren der parlamentarischen Kontrolle durch die Landesparlamente und den Bundestag. Nur so können wir am Ende die politisch richtigen Konsequenzen ziehen und die partielle Blindheit auf dem rechten Auge bekämpfen.
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Nicht vergessen: Am Freitag, 9. Dezember, sitzt Antje Möller auf einem Podium zum Thema Rechtsextremismus. Veranstalter ist die Heinrich-Böll-Stiftung Hamburg. Mit dabei sind außerdem der Journalist Andreas Speit sowie der Hamburger Verfassungsschutzchef Manfred Murck. Weitere Informationen finden Sie hier.
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2 Kommentare

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Eva Botzenhart meint:
20.12.2011 - 02:46
@ Gast: Die GAL Altona war durchaus vertreten - allerdings ohne Bodyguards - wir hatten ja keine Ahnung, dass so etwas jetzt üblich ist ;-) ... Dr. Ingo Lembke, Wolfram Bradenstahl-Neumann und Michael Klanck wollten auch gerne die grüne Fahne hochhalten, wurden aber vom Veranstalter gebeten das nicht zu tun - möglicherweise waren sie deshalb nicht als "GALlier" eindeutig zu erkennen...einfach mal so zu behaupten, nur weil man keine erkannt hat, seien auch keine da gewesen, ist aber ziemlich nassforsch, finde ich. Und nach meinem Empfinden steht auch den Politikern etwas Zurückhaltung gut zu Gesicht bei solchen Anlässen...
Gast meint:
20.12.2011 - 08:42
Beim Schweigemarsch zum Gedenken an Süleyman Tasköprü am 19.11.2011 in Altona waren zwar ca. 1000 Menschen, jedoch keine Vertreterin der GAL Altona. Michael Neumann ließ sich von zwei Bodyguards begleitet pressewirksam in den vordersten Reihe filmen und ablichten. Etwas mehr Symbolpolitik hätte ich von der Gal Altona schon erwartet.