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Aus aktuellem Anlass hat das Ressort Gesundheitspolitik zusammen mit der Fraktion eine Große Anfrage (19/5506) zum Thema "Prävention in Hamburg" eingereicht. Die Antwort des Senats liegt noch nicht vor.
Gesundheit ist mehr als die Abwesenheit von Krankheit – sie umfasst körperliches, geistiges und soziales Wohlbefinden und sollte allen Menschen gleichermaßen zugänglich sein. Die gesundheitliche und medizinische Versorgung aller Bürgerinnen und Bürger ist auch weiterhin Ziel der GAL. Beratung, Prävention und Rehabilitation stehen dabei im Vordergrund, aber auch die Einbindung von Selbsthilfegruppen (z. B. über KISS) und ein transparenter Verbraucherschutz gehören dazu.
Prävention setzt bei den Kleinsten an. Wir richten deshalb ein besonderes Augenmerk auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Dazu zählen gesunde Ernährung und die Vorbeugung von Essstörungen ebenso, wie Suchtprävention, die vor allem Kompetenzvermittlung im Umgang mit legalen und illegalen Suchtmitteln zum Ziel hat. Sexualaufklärung ist nötig, um Teenageschwangerschaften zu vermeiden und sexuell übertragbare Krankheiten zu bekämpfen. Um den Präventionsgedanken weiter zu stärken, hat die schwarz-grüne Koalition einen Pakt für Prävention gestartet.
Für Kinder mit psychischen Problemen soll es eine gute Versorgung in Hamburg geben. Im Koalitionsvertrag haben wir uns mit der CDU daher z. B. darauf verständigt, dass die Arbeit der Ambulanz für psychisch traumatisierte Kinder und Jugendliche am UKE gesichert wird. Insgesamt soll allen psychisch Kranken Hamburgern und Hamburgerinnen die Möglichkeit einer Unterbringung in Hamburg eröffnet werden. Das Angebot in Hamburg soll daher aufgestockt werden.
Eine gute gesundheitliche Versorgung darf nicht an langen Wegen und fehlenden Strukturen vor Ort scheitern. Es darf in Hamburg keine Stadtteile geben, in denen Hausärzte oder Spezialisten fehlen oder es an Krankengymnasten oder Psychotherapeuten mangelt. Wir unterstützen Medizinische Versorgungszentren (MVZ) und Gesundheitshäuser, wenn sie die Situation in den Stadtteilen verbessern und eine umfassende medizinische Versorgung "unter einem Dach" gewährleisten. Allerdings darf die Einrichtung solcher Versorgungszentren nicht zur Verlagerung von Kassenarztsitzen aus ärmeren Stadtteilen an lukrativere Standorte missbraucht werden. Bei solchen Fehlentwicklungen wollen wir gegensteuern. Im Koalitionsvertrag haben wir mit der CDU vereinbart, dass die Stadt sich in Gesprächen mit der Kassenärztlichen Vereinigung Hamburg um einen Ausgleich von gesundheitlichen Versorgungsdefiziten in betroffenen Hamburger Regionen bemüht.
Wir wollen, dass die integrierte Versorgung in Hamburg einen wichtigen Stellenwert bekommt. Gerade bei chronisch Kranken müssen optimierte individuelle Behandlungspläne realisiert werden. Dafür sollen der ambulante und der stationäre medizinische Sektor besser vernetzt und auch die übrigen Gesundheitsdienstleistungen einbezogen werden. Vor dem Hintergrund der Umstellung der Krankenhausvergütung von Tagespflegesätzen auf Fallpauschalen und der damit verbundenen weiteren Verkürzung von Liegezeiten ist ein solches Netz besonders wichtig. Integrierte Versorgung fördert außerdem den Wettbewerb im System.
Armut macht krank. Deshalb müssen staatliche Gesundheitshilfen vor allem auf sozial benachteiligte Bevölkerungsgruppen konzentriert werden. Dafür sind niedrigschwellige Angebote nötig, wie sie heute schon durch viele freie Träger bereitgestellt werden. Durch eine enge Vernetzung gesundheitlicher Erstversorgung und weiterführender Gesundheitshilfen streben wir die Integration möglichst vieler Menschen in das reguläre Gesundheitssystem an.
MigrantInnen fällt der Zugang zum deutschen Gesundheitssystem durch sprachliche und kulturelle Hürden oft schwer. Aus diesem Grund sind MigrantInnen eine der am schlechtesten versorgten Bevölkerungsgruppen im Gesundheitsbereich. Das wollen wir ändern. So haben wir einen entsprechenden Haushaltsantrag für die Stärkung von Projekten eingebracht, die Migrantinnen und Migranten zu Gesundheitslotsen für andere ausbilden und somit "Hilfe zur Selbsthilfe" fördern.
Die Gesundheitswirtschaft ist ein wichtiges Standbein der Hamburger Wirtschaft mit einer großen Anzahl Beschäftigter. In Zukunft wird die Bedeutung des Gesundheitssektors im Zuge der alternden Gesellschaft noch weiter ansteigen. Hier wollen wir, dass Hamburg gut aufgestellt ist. So wurde im schwarz-grünen Koalitionsvertrag der Ausbau des bisherigen Clustermanagements Life Science zu einer Gesundheitswirtschaftsstrategie vereinbart.
Gesundheit ist außerdem eine Frage des Geschlechts, denn aufgrund unterschiedlicher Sozialisation und ihres unterschiedlichen Körpers erleben Frauen und Männer Gesundheit und Krankheit oft verschieden. Sie nutzen medizinische Beratungs- und Behandlungsmethoden unterschiedlich und leiden an unterschiedlichen Krankheiten, die verschieden behandelt werden müssen. Bisher orientieren sich Forschung, Behandlung und Organisation des Gesundheitswesens am Mann. Auf geschlechtsspezifische Unterschiede einzugehen, sorgt nicht nur für mehr Lebensqualität für Frauen und Männer, sondern führt auf Dauer zu Kostensenkungen, da so Über-, Unter- und Fehlversorgungen langfristig vermieden werden können.

Henning Schweer
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