Konsequenzen nach Tod von Chantal

Führungsversagen: Schreiber muss gehen


Nach der Sitzung des Familienausschusses am Dienstagabend fordert die GAL-Bürgerschaftsfraktion die Ablösung von Mitte-Bezirksamtsleiter Markus Schreiber. Auch Olaf Scholz ist jetzt gefordert. Die Aufklärung des Falls muss weitergehen.

Jens Kerstan, Vorsitzender der GAL-Fraktion, erklärt:

„Herr Schreiber sagt, dass er seine Jugendamtsleiterin schon 2009 für ungeeignet hielt. Entweder hätte er sie absetzen müssen oder aber – wenn dies nicht sofort möglich war – sie sehr eng führen und begleiten müssen. Beides hat er nicht getan. Herr Schreiber hat damit als Vorgesetzter persönlich versagt. An seiner Ablösung führt kein Weg vorbei.

Jetzt ist klar, dass Herr Schreiber nicht im Amt bleiben kann. Nun ist Olaf Scholz als Bürgermeister und SPD-Chef gefordert. Er ist mit dem Versprechen vom ,Guten Regieren‘ angetreten und muss nun dafür sorgen, dass im Bezirksamt Mitte schnell eine kompetente Nachfolge gefunden wird.

Nach einer Abberufung von Markus Schreiber kann der Fall allerdings nicht zu den Akten gelegt werden. Man muss fragen und untersuchen, in welchem Biotop sich die merkwürdigen Jugendhilfe-Strukturen in Mitte entwickelt haben und warum diese jahrelang geduldet wurden.“

Christiane Blömeke, kinder- und jugendpolitische Sprecherin der GAL-Fraktion, erklärt:

„Schreiber muss gehen, weil er den Kinderschutz schwächt, die Aufklärung im Fall Chantal verzögert hat und seine Führungsverantwortung gegenüber dem Personal im Jugendamt nicht wahrgenommen hat. Auch Senator Scheele hat am 17. Januar 2012 vom Tod des Kindes erfahren. Welche Maßnahmen daraufhin konkret ergriffen wurden, werde ich mit einer Kleinen Anfrage erfragen. Ich möchte wissen, ob die Fachaufsicht wahrgenommen wurde.“

Aus Sicht der GAL-Fraktion gibt es gleich mehrere zwingende Gründe, die jeder für sich genommen eine Ablösung Schreibers rechtfertigen:

  1. Persönliches Führungsversagen: Schreiber hielt die Leiterin des Jugendamtes seit dem Tod von Lara-Mia im Jahr 2009 für fachlich ungeeignet. Eine Versetzung ist seitdem nicht passiert, eine enge Führung der Amtsleiterin hat er unterlassen. Schreiber hat damit ein erneutes Versagen des Jugendamtes in Kauf genommen.
  2. Schreiber schwächt den Kinderschutz: Nach dem Tod von Lara-Mia im Jahr 2009 wurde in Mitte aufgrund der besonderen Problemlagen im Bezirk eine zweite Kinderschutzkoordinatoren-Stelle geschaffen. Schreiber musste gestern einräumen, dass 80 Prozent dieser Stelle seit Monaten statt für den Kinderschutz nur für den bezirklichen Angebotsservice genutzt werden.
  3. Versäumnisse bei der Aufklärung: Bezirksamtsleiter Schreiber wurde am 17. Januar 2012 über den Tod des Mädchens informiert. Erst acht Tage später hat das Jugendamt Mitte die Akte des Trägers VSE e.V. angefordert. Die Aufklärung wurde durch das Abwarten des Bezirksamtes unnötig verzögert.


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