Elektro-Räder sind perfekte Ergänzung
Von Dienstag bis Donnerstag wird in drei Bürgerschaftssitzungen der Doppelhaushalt 2011/12 beraten. Bei der Gestaltung des Verkehrsbudgets setzt die GAL-Fraktion auf den Ausbau des Radverkehrs. Sie möchte Elektro-Räder in die Flotte des StadtRADs aufnehmen, zudem soll das Stationsnetz ausgebaut werden.
Dr. Till Steffen, verkehrspolitischer Sprecher der GAL-Fraktion, sagt dazu:
„Elektro-Räder sind ein sehr überzeugendes Argument für jeden, der vom Auto aufs Fahrrad umsteigen möchte, bisher aber die Anstrengung scheute. Nicht nur für weniger leistungsfähige Menschen machen Pedelecs das Radfahren angenehmer. Die Elektro-Räder decken ein neues Mobilitätsbedürfnis ab, das auf die Kombination einfach zugänglicher Verkehrsmittel setzt. In Hamburg gibt es viele Menschen, die sich selbstbestimmt und im eigenen Tempo durch die Stadt bewegen wollen. Da sind Elektro-Räder die perfekte Ergänzung zum bisherigen Leihsystem.“
In Stuttgart und Aachen gibt es bereits Pilotprojekte, bei denen der StadtRAD-Betreiber DB Rent GmbH die Flotte durch Pedelecs ergänzt – gefördert durch das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS). Die GAL-Fraktion fordert nun mit einem Antrag (s. Anhang), dass Hamburg sich diesem Modell anschließt.
Der Senat hat sich jüngst für seine Erfolge und Bemühungen gefeiert, Hamburg zur Modellregion für Elektromobilität zu machen. Für Steffen ein weiterer Grund, auch elektrisch betriebene Fahrräder in den Fokus zu rücken: „Leider berücksichtigt der Senat dieses Fortbewegungsmittel bei seinen Aktivitäten zur Elektromobilität bisher überhaupt nicht. Da er aber an dem Ziel festhält, den Radverkehrsanteil bis 2015 auf 18 Prozent zu steigern, sind vielfältige Maßnahmen nötig. Hier kann Hamburg auch überregional Akzente setzen und seine Vorreiterrolle etablieren.“
Das Fahrradleih-System StadtRAD soll nach den Plänen der GAL-Fraktion auch weiter ausgebaut werden. Bislang waren nur zwei Realisierungsstufen geplant. Der Erfolg rechtfertigt aber den weiteren Ausbau, so dass auch die Arenen, der Hamburger Osten sowie Harburg mit Stationen versorgt werden können. Finanziert werden soll das Ganze durch die Mehreinnahmen des HVV-Programms „Einstieg vorn“.
Hintergrund:
Ein Fahrrad mit elektrisch betriebenem Hilfsmotor, auch Pedelec (Pedal Electric Cycle) genannt, erleichtert das Radfahren, indem das Treten durch einen Motor unterstützt wird. Die Motorleistung beträgt maximal 250 Watt, ab einer Geschwindigkeit von 25 km/h schaltet sich also der zusätzliche Antrieb ab. Pedelecs sind rechtlich den herkömmlichen Fahrrädern gleichgestellt, zum Betrieb braucht man kein Versicherungskennzeichen, es besteht auch keine Helmpflicht. Je nach Nutzungshäufigkeit, Weg und Gewicht liegt der Stromverbrauch bei 0,5 bis 2 kWh auf 100 Kilometer. Eine zusätzliche Ersparnis von ungefähr 10 Prozent kann eine eingebaute Rückspeisung von Bremsenergie bringen, die von vielen Herstellern angeboten wird (s. http://www.pedelec-portal.net/akkuleistung-und-energieverbrauch-von-pedelecs/0048).
Laut einem ADAC-Systemvergleich von 2010 liegt die durchschnittliche Akkuleistung eines Pedelecs im Stadtverkehr bei 20 bis 30 Kilometern, über Land sogar bis über 60 Kilometer. Zum Vergleich: Der Elektro-Smart hat eine maximale Leistung von 30 kW, eine Höchstgeschwindigkeit von 112 km/h sowie eine Reichweite von etwa 115 Kilometern. Der Stromverbrauch wird vom Hersteller mit 12 kWh pro 100 km angegeben (ermittelt im „Neuen Europäischen Fahrzyklus“ NEFZ).
2 Kommentare

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Gast meint:
22.11.2011 - 09:41
Ich fahre viel Stadtrad und wünsche mir mehr Stationen, gerade in den Außenstandorten: Neugaben, Pinneberg, Poppenbüttel etc. dann müsste man sein eigenes Rad nicht in der Bahn mitnehmen und könnte trotzdem ins Alte Land oder in andere Tolle Naturschutzgebiete fahren. Das Harburg noch gar kein Stadtrad hat, ist IMHO eine Katastrophe! Wenn wir viel Geld übrig haben, gerne E-Bikes (ich hab selbst eins). Da dem aber nicht so ist, lieber mehr Stationen ohne E-Bike, als weiniger Stationen mit E-Bike. Da ich beim Stadtrad ja auch jede Minute (über 30 Minuten) bezahle, lohnt es sich IMHO auch gar nicht. Ich fahre zu 90% sowieso nur zur nächsten S-Bahn, also ca. 1km. Das sind ja nicht gerade die Entfernungen, die für E-Bikes sprechen. Seinen Vorteil hat das E-Bike bei der Strecke Haustür-Arbeit (ca. 1h Fahrzeit mit E-Bike, 1:10 h ohne, aber dafür wesentlich Schweißtreibender so das ich das bei der Arbeit eigentlich Duschen müsste).
Gast meint:
23.11.2011 - 11:12
Hallo Gast,
die Pedelecs in die StadtRadflotte aufzunehmen ist nur ein Teil des Antrages, den wir eingebracht haben. Im Ganzen geht es darum, dass wir das StadtRad-System auf die nächste Stufe heben wollen.
Bisher waren immer nur zwei Ausbau-Stufen geplant, die sind nun erreicht. Wir denken jetzt ist es an der Zeit, mehr Geld in die Hand zu nehmen und weitere Gebiete zu erschließen. Harburg an erster Stelle, aber auch der Hamburger Osten und der Anschluss an die Arenen sollten als nächste Schritte folgen.
Noch ein Wort zu den Pedelecs: Bei ganz kurzen Strecken liegt der Einsatz vielleicht wirklich nicht so nahe. Aber das StadtRad-Netz ist inzwischen sehr groß, so dass es für ungeübte RadlerInnen auch nicht attraktiv ist, diese Netz voll auszunutzen. Ein Pedelec bietet den Anreiz eben doch nicht nur bis zur nächsten S-Bahn-Haltestelle zu fahren, sondern eben weiter. Zudem ist das Fahrrad immer noch das schnellste Verkehrsmittel in der Stadt. Und darum geht es bei der Stärkung des Radverkehrs: Umstieg auf Rad, Entlastung auf den Straßen.
Mo Klabunde