Kolonial-Kapitel angemessen behandeln
Heute feiert die ehemalige deutsche Kolonie Tansania den 50. Jahrestag der Unabhängigkeit. Insbesondere wegen Hamburgs Städtepartnerschaft mit der Hauptstadt Daressalam fordert die GAL-Fraktion einen angemessenen Umgang mit dem kolonialen Erbe. Im Tansania-Park in Jenfeld geht der Streit um das umstrittene Askari Relief weiter.
Dazu erklärt Olaf Duge, stadtentwicklungspolitischer Sprecher der GAL-Fraktion:
„Auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbek-Kaserne entsteht die neue Wohnsiedlung Jenfelder Au. Wir brauchen dort ein integriertes Projekt und keinen eingezäunten Geschichtsgarten mit zweifelhaft betexteten Erklärtafeln. Der so genannte Kleine Exerzierplatz mit seinen Kasernengebäuden, wo früher auch das Askari-Relief stand, könnte ein Raum sein, um die koloniale Vergangenheit beider Länder gemeinsam aufzuarbeiten.“
Christa Goetsch, kulturpolitische Sprecherin der GAL-Fraktion erklärt:
„Der Beirat, der für die Konzeption des Tansania-Parks 2003 eingerichtet wurde, bietet ein desolates Bild. Das Agieren des Vorsitzenden ist durch Intransparenz und Inkompetenz gekennzeichnet. Es ist notwendig, entweder diesen Beirat durch ein kompetenteres Gremium zu ersetzen oder andere Strukturen für die Aufarbeitung der kolonialen Vergangenheit und die Auseinandersetzung mit der Gegenwart an diesem Ort zu finden."
Katharina Fegebank, Sprecherin der GAL-Fraktion für Internationales, ergänzt:
„Hamburg hat 2010 die Städtepartnerschaft mit Daressalam geschlossen. Gerade deshalb fordern wir eine gemeinsame Aufarbeitung der deutsch-tansanischen Geschichte hier in Hamburg. Die ostafrikanischen Partner müssen deshalb auch in die Konzeption des Gedenkparks eingebunden werden. Der bisherige Umgang mit der geplanten Erinnerungsstätte ist ein Stolperstein auf dem Weg zu einer guten und gleichberechtigten Partnerschaft beider Metropolen.“
Hintergrund
Die seit Jahren eingezäunten Denkmäler auf dem Gelände der ehemaligen Lettow-Vorbek-Kaserne sind im Eigentum des Bundes. In dem Park ist unter anderem das umstrittene Askari-Relief aus der Nazizeit zu sehen. Der Beirat wurde 2003 eingerichtet mit der Aufgabe, ein Konzept für einen Ort zu erstellen, an dem eine kritische Auseinandersetzung mit der kolonialen Vergangenheit Deutschlands stattfinden kann. Dies ist ihm bis heute nicht gelungen. Stattdessen ist es unter Vorsitz von Dr. Reinhard Behrens ständig zu Querelen gekommen, die zum Rücktritt dreier Beirats-Mitglieder führten. An den Sitzungen des zunächst 15-köpfigen Gremiums nahmen oft kaum mehr als drei Personen teil. Protokolle wurden nicht angefertigt. Schon zu Beginn wurden die Grundlagen für die kommentierenden Texte in dem Tansania-Park von mehreren Beiratsmitgliedern strittig gestellt. Die afrikanische Sicht blieb ausgeblendet, was sich auch in den Textentwürfen zu dem geplanten "Geschichtsgarten" widerspiegelt. Zudem sind zwei Mitglieder des Beirates seit längerem verstorben. Nachbesetzungen gab es nicht.
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